Eine GEO-Strategie für die KI-Suche klingt gerade wie Pflichtprogramm. Berater schreiben dich an, Tools versprechen „KI-Sichtbarkeit„, und plötzlich wirkt es so, als wäre dein bisheriges SEO wertlos. Das ist die falsche Schlussfolgerung. Für viele KMU gilt: Du musst nicht alles neu erfinden – aber du musst verstehen, dass KI-Suche nicht nur Google ist. Genau dort entscheidet sich, ob du künftig als Quelle auftauchst oder unsichtbar bleibst.
Der Punkt: Google kann sagen „macht weiter wie bisher“. Deine Zielgruppe fragt aber längst auch ChatGPT, Perplexity oder Claude.
Die Kernentscheidung: Optimierst du nur für Google – oder für mehrere KI-Systeme?
Hier liegt der Dreh- und Angelpunkt: Google AI Overviews und der KI-Modus hängen stark an Googles eigenen Rankings. Wenn du in der klassischen Google-Suche nicht vorkommst, wirst du sehr wahrscheinlich auch in Googles KI-Antworten nicht auftauchen.
„Wer gutes SEO macht, muss für KI kaum noch etwas ändern.“ – Christoph Mohr, Master of Scaling
Das stimmt als Grundlinie – aber nur im Google-Universum. Außerhalb davon gelten andere Regeln, andere Indizes (also Datenbestände, aus denen ein System Informationen zieht) und andere Quellenpräferenzen. Genau deshalb ist „SEO reicht“ für viele Unternehmen nur die halbe Wahrheit.
Worauf du dich einstellen solltest:
- SEO bleibt das Fundament – Technik, Inhalte, Indexierbarkeit, Vertrauen.
- GEO wird relevant, sobald du gezielt in ChatGPT, Perplexity, Claude oder Gemini als Quelle genannt werden willst.
- Du brauchst keine Panik – aber eine klare Priorisierung nach Plattform und Zielgruppe.
80 Prozent sind Basics: Technisches SEO als Eintrittskarte für KI-Sichtbarkeit
Bevor du über GEO nachdenkst, muss die Basis stehen. Technisches SEO bedeutet ganz simpel: Deine Website muss für Suchmaschinen sauber lesbar sein (crawlbar), in den Index kommen (indexierbar) und schnell laden.
„Ungefähr 80 Prozent der Optimierung für KI-Systeme sind klassische SEO-Grundlagen.“ – Christoph Mohr, Master of Scaling
Was das konkret für KMU heißt:
- Indexierbarkeit prüfen: Können Google und andere Bots deine Seiten überhaupt abrufen?
- Ladezeit verbessern: Langsame Seiten verlieren Sichtbarkeit – egal ob Suche oder KI.
- Eindeutige Inhalte bauen: KI-Systeme bevorzugen Inhalte, die klar zuordenbar sind (Thema, Autor, Unternehmen, Nutzen).
- Expertise sichtbar machen: Zeig, dass echte Fachkenntnis dahintersteht – Autorenprofil, konkrete Beispiele, saubere Erklärungen.
Warum das zählt: KI-Systeme erfinden ihre Quellen nicht. Sie greifen auf vorhandene, auffindbare Inhalte zurück. Wenn dein Fundament wackelt, bringt dir jede GEO-Taktik wenig.
KI-Suche ist kein einheitlicher Kanal: ChatGPT, Perplexity, Claude und Gemini ticken unterschiedlich
Viele Diskussionen gehen von einer falschen Annahme aus: „KI-Suche“ sei ein neues Google. In der Praxis ist es eher ein Bündel aus Plattformen, die Informationen unterschiedlich auswählen.
„Google ist nicht das einzige Spielfeld in der KI.“ – Christoph Mohr, Master of Scaling
Die Ableitung daraus: Du optimierst nicht „für KI“, sondern für die Systeme, die deine Zielgruppe wirklich nutzt.
ChatGPT: Andere Quellenlogik als Google
ChatGPT greift tendenziell stark auf bestimmte externe Quellen zurück, etwa Bing und Reddit. Die Überschneidung mit Googles Top-10-Ergebnissen ist dabei teilweise gering. Für dich heißt das: Gute Google-Rankings sind hilfreich, aber nicht automatisch ausreichend, wenn du explizit in ChatGPT genannt werden willst.
Konsequenz: Prüfe, ob du in den für ChatGPT typischen Quellenwelten überhaupt stattfindest – Diskussionen, Erwähnungen, Profile, Publikationen.
Perplexity: Aktualität wird stärker gewichtet
Perplexity bevorzugt tendenziell frisch aktualisierten Content. Wenn du Inhalte selten pflegst, kann deine Sichtbarkeit dort schneller abfallen – selbst wenn dein Artikel fachlich stark ist.
Konsequenz: Baue Prozesse, um wichtige Seiten regelmäßig zu aktualisieren. Auch kleine Updates zählen, wenn sie substanziell sind.
Claude: Tiefe, Glaubwürdigkeit, B2B-Nische
Claude ist stärker B2B-orientiert, mit Fokus auf inhaltliche Tiefe und Glaubwürdigkeit. Eine Chance für KMU mit echter Expertise, die bisher zu dünn kommunizieren.
Konsequenz: Investiere in Fachartikel, klare Autorenprofile und nachvollziehbare Argumentation statt generischer SEO-Texte.
Gemini: YouTube kann ein relevanter Baustein sein
Bei Gemini spielt YouTube-Content eine Rolle. Wer ausschließlich auf die eigene Website setzt und sonst kaum Content veröffentlicht, hat hier tendenziell einen Nachteil.
Konsequenz: Wenn Gemini für deine Zielgruppe relevant ist, denke Website und YouTube zusammen – kontinuierlich, nicht alle paar Jahre.
GEO in der Praxis: 4 Stellschrauben, die für KI-Zitate helfen
Google selbst hat mehrere „Mythen“ adressiert und sagt bei einigen Punkten sinngemäß: Für die eigene KI müsse man nicht extra optimieren. Andere Plattformen reagieren allerdings teilweise anders. Deshalb sind die folgenden Punkte als belastbare Tendenzen zu verstehen – nicht als garantierte Rankingfaktoren.
1) Content-Struktur (Content Chunking): Antworten leichter auffindbar machen
Content Chunking bedeutet: Du zerlegst lange Texte in klar abgegrenzte Abschnitte, damit Systeme schneller den passenden Teil für eine Frage finden. Für Google ist das kein Muss – für andere KI-Systeme kann eine bessere Struktur aber helfen, weil relevante Passagen schneller gefunden und zitiert werden.
Umsetzung für KMU: pro Abschnitt eine klare Frage oder Aussage, aussagekräftige H2/H3-Überschriften, kurze und präzise Einstiege.
2) Strukturierte Daten: Maschinenlesbare Markierungen nutzen
Strukturierte Daten sind Code-Markierungen (z. B. FAQ, Produkt, Bewertung), die Suchmaschinen helfen, Inhalte einzuordnen. Viele CMS wie WordPress setzen Teile davon automatisch. Google sagt: für die eigene KI nicht zwingend nötig. Andere Systeme ziehen Seiten mit solchen Markierungen aber tendenziell häufiger heran.
Wichtig: Entferne vorhandene strukturierte Daten nicht „weil Google das sagt“. Und wenn du sie noch nicht hast, ist es ein sinnvoller technischer Hebel, um Inhalte klarer maschinenlesbar zu machen.
3) Externe Erwähnungen: Relevanz entsteht auch außerhalb deiner Website
Ein zentraler Punkt: KI-Systeme nennen Marken häufiger, wenn sie auch außerhalb der eigenen Website vorkommen – in Verzeichnissen, Publikationen und auf Plattformen wie Wikipedia, Reddit, LinkedIn oder YouTube. Die Richtung ist klar: Wenn niemand über dich spricht, wirkst du für die Modelle weniger relevant.
„Marken, die auch außerhalb ihrer eigenen Webseite sichtbar sind, werden deutlich häufiger in KI-Antworten genannt.“ – Christoph Mohr, Master of Scaling
Was du tun kannst, ohne in „Linkbuilding um jeden Preis“ zu verfallen: echte Erwähnungen durch PR, Gastbeiträge und Partnerschaften aufbauen, konsistente Unternehmensprofile in relevanten Verzeichnissen pflegen und dafür sorgen, dass Dritte dich sinnvoll zitieren können – über Daten, Statements und klare Positionen.
4) Klare Antworten früh im Text: Direktheit schlägt Textwüste
Klare, direkte Antworten am Anfang einer Seite erhöhen die Chance, als Quelle genutzt zu werden.
Umsetzung: Starte wichtige Seiten mit einer Antwort von zwei bis vier Sätzen auf die Kernfrage. Danach erst Kontext, Beispiele, Details. Schreibe so, dass ein einzelner Absatz für sich als Zitat funktionieren würde.
Sonderfall lokale Unternehmen: Hier bleibt Google sehr dominant
Wenn du lokal verkaufst – Handwerk, Praxis, Dienstleister mit Einzugsgebiet – ist die Lage entspannter. Google spielt hier weiterhin eine sehr große Rolle, unter anderem über das Local Pack (die lokalen Karten-Ergebnisse mit Unternehmensprofilen).
Gleichzeitig zieht ChatGPT für lokale Empfehlungen eher andere Quellen heran, etwa Verzeichnisse wie Yelp oder Apple Maps. Für lokale KI-Sichtbarkeit kann es also sinnvoll sein, dort präsent zu sein – aber du musst dafür nicht sofort dein komplettes Marketing umbauen.
Konkret: Das Google Unternehmensprofil sauber zu pflegen bleibt Pflicht. Ergänzend prüfst du die wichtigsten lokalen Verzeichnisse, die in deiner Branche zählen.
So gehst du als KMU strukturiert vor – ohne auf GEO-Versprechen reinzufallen
Der größte Fehler wäre hektischer Aktionismus: alles umschreiben, neue „KI-Seiten“ bauen, blind Tool-Empfehlungen folgen. Das Feld ist dynamisch, und niemand kann dir seriös eine „Nummer 1 in ChatGPT“ garantieren.
„Sei vorsichtig damit, jetzt hektisch zu werden und blind irgendwelchen Tipps hinterherzurennen.“ – Christoph Mohr, Master of Scaling
Stattdessen ein klarer, unternehmerischer Ablauf.
Schritt 1: Kläre, welche KI-Systeme deine Zielgruppe nutzt
Frag Vertrieb, Support und Bestandskunden. Beobachte, wo Anfragen herkommen. Erst dann entscheidest du, ob ChatGPT, Perplexity, Claude oder Gemini für dich Priorität haben.
Schritt 2: Prüfe deine Ausgangslage bei Google und in den KI-Systemen
Wenn du bei Google stabil sichtbar bist, ist die Chance gut, dass du auch in Googles KI-Features auftauchst. Danach schaust du gezielt auf die Plattformen, die für dich relevant sind. Zur Messung von KI-Erwähnungen gibt es spezialisierte Tools wie Ayzeo, peec.ai oder Semrush – nutze sie als Diagnose, nicht als Auslöser für Panik.
Schritt 3: Setze die 3 Hebel mit dem besten Aufwand-Nutzen-Verhältnis um
Für viele KMU sind das: erstens das technische Fundament (Indexierbarkeit, Ladezeit, saubere Struktur), zweitens Inhalte mit klaren Antworten und nachvollziehbarer Expertise, drittens externe Erwähnungen und Profile, die deine Marke real machen.
Schritt 4: Beobachte, lerne, passe an
KI-Plattformen ändern sich schnell. Du brauchst keine perfekte GEO-Strategie auf Papier – du brauchst einen Prozess, der monatlich prüft: Wo werden wir genannt, wo nicht, und warum?
Was du ab heute anders machen solltest
- Prüfe, ob deine wichtigsten Seiten indexierbar sind und schnell laden.
- Ergänze auf Kernseiten eine klare Antwort in den ersten Absätzen.
- Strukturiere lange Inhalte in klar zitierbare Abschnitte.
- Baue Autorenprofile und Expertise sichtbar aus – wer schreibt, und warum ist das glaubwürdig?
- Stärke externe Erwähnungen durch echte Publikationen, Partnerschaften und relevante Profile.
- Entscheide bewusst, welche KI-Plattformen für deine Zielgruppe zählen, statt „für alles“ zu optimieren.
Wenn du willst, schauen wir gemeinsam drauf: Welche Plattformen sind für dein Geschäft realistisch relevant, wie sichtbar bist du heute, und welche Maßnahmen bringen in den nächsten 90 Tagen messbar etwas?

